Die Autobahn gilt als eine der bedeutendsten Errungenschaften moderner Mobilität – doch erfunden wurde sie nicht in Deutschland, sondern in Italien. Am 21. September 1924 wurde die Autostrada dei Laghi zwischen Mailand und Varese eröffnet, die erste eigens für Autos gebaute, mautpflichtige Schnellstraße der Welt. Sie entstand neun Jahre vor der ersten deutschen Reichsautobahn – und das in unmittelbarer Nachbarschaft des Gardasees.
Die Idee von Piero Puricelli
Hinter dem Projekt stand der Mailänder Ingenieur und Unternehmer Piero Puricelli (1883–1951). Sein Gedanke war für die Zeit revolutionär: eine Straße, die ausschließlich dem Automobilverkehr vorbehalten ist, ohne Kreuzungen, Fußgänger oder Fuhrwerke. Finanziert werden sollte der Bau über eine Maut – also genau jenes Prinzip, das bis heute auf den meisten italienischen Autobahnen gilt. Puricelli prägte damit nicht nur das Wort „autostrada“, sondern das Grundkonzept der bemauteten Schnellstraße.
Die Eröffnung am 21. September 1924
Den Anfang machte das Teilstück von Mailand Richtung Varese, dessen erster Abschnitt bei Lainate für den Verkehr freigegeben wurde. Die heutige A8 war noch keine Autobahn im modernen Sinn – getrennte Richtungsfahrbahnen gab es zunächst nicht. Entscheidend war aber das Prinzip: eine kreuzungsfreie, nur für Kraftfahrzeuge bestimmte und gegen Gebühr nutzbare Verkehrsachse. Damit war Italien das erste Land der Welt, das eine solche Straße in Betrieb nahm, und legte den Grundstein für das, was wir heute als Autobahnnetz kennen.
Italien war zuerst – nicht Deutschland
Häufig wird angenommen, die ersten Autobahnen seien in Deutschland entstanden. Tatsächlich wurden die deutschen Reichsautobahnen erst Anfang der 1930er-Jahre gebaut – also fast ein Jahrzehnt nach der Autostrada dei Laghi. Der Mythos hält sich hartnäckig, doch die Verkehrsgeschichte ist eindeutig: Der Ursprung der Autobahn liegt in Norditalien.
Verkehrsgeschichte vor der Haustür des Gardasees
Wer heute über die A22 Brennerautobahn oder die A4 zum Gardasee fährt, bewegt sich in der direkten Nachfolge dieser Pionierleistung. Die Region zwischen Mailand, den oberitalienischen Seen und Verona war von Anfang an ein Knotenpunkt des modernen Straßenverkehrs. Das hundertjährige Jubiläum 2024 war ein guter Anlass, sich daran zu erinnern – und die Strecke mit anderen Augen zu sehen.
Häufige Fragen
Wo wurde die erste Autobahn der Welt gebaut?
In Italien: Die Autostrada dei Laghi zwischen Mailand und Varese (heute A8) wurde am 21. September 1924 eröffnet.
Wer hat die Autobahn erfunden?
Der Mailänder Ingenieur Piero Puricelli entwickelte das Konzept der kreuzungsfreien, mautfinanzierten Schnellstraße nur für Autos.
War Deutschland mit der Autobahn zuerst?
Nein. Die deutschen Reichsautobahnen entstanden erst Anfang der 1930er-Jahre, rund neun Jahre nach der italienischen Autostrada dei Laghi.
Stand: Historischer Rückblick; Eröffnung der Autostrada dei Laghi am 21. September 1924. Quellen u. a. Wikipedia und zeitgenössische Berichte.
